Meckel vs. Warnking im Kaufleuten
08.02.2012 | Keine Kommentare
Kategorien: Centralway
Schlagwörter: Algorithmus, digitale Welt, Kaufleuten, Miriam Meckel, Patrick Warnking, Podiumsdiskussion, Zürich
Kategorien: Centralway
Schlagwörter: Algorithmus, digitale Welt, Kaufleuten, Miriam Meckel, Patrick Warnking, Podiumsdiskussion, Zürich
Ist es bald soweit, dass wir uns in der digitalen Welt total verlieren? Dass wir damit Aufhören selber zu denken, keinen eigenen Willen mehr haben und «Andere» die Herrschaft über uns Individuen haben?
Ich durfte letzte Woche einer interessanten Lesung mit anschliessender Podiumsdiskussion im Zürcher Kaufleuten beiwohnen. Zu Gast bei Res Strehle (Co-Chefredaktuer des Tagesanzeigers) waren die Kommunikationsforscherin Prof. Miriam Meckel und der Chef von Google Schweiz, Patrick Warnking.
Frau Meckel las einige Passagen aus ihrem neuen Buch NEXT vor. Einem Buch, das zuerst ein Sachbuch zum Thema Mensch in der digitalen Welt werden sollte und schlussendlich als Science-Fiction Geschichte publizierte wurde. Die Protagonisten in diesem Buch sind ein Algorithmus und ein Mensch.
Frau Meckel sprach unter anderem darüber, dass wir unbewusst und allzu leichtfertig Daten ins Netz speisen, persönliche Informationen in Userprofile füttern und mit Suchbegriffen um uns schmeissen. Allzu schnell haben wir uns dabei im Internet entblösst und bieten Werbebannern die Möglichkeit uns am Bildschirmrand mit unseren Wünschen zuzuwinken, weil sie ganz einfach unserer Datenspur gefolgt sind und wissen was wir mögen, wohin wir gerne reisen und was wir jetzt am liebsten kaufen würden.
Patrick Warnking, Chef von Google Schweiz auf der „Gegenseite“ sprach über die Vorteile der benutzerdefinierten Suche. Google hilft einem, sich in der immer komplexeren Welt zurecht zu finden. Die personalisierte Suche bietet eine hohe Trefferquote in der Unmenge von Suchergebnissen. Ein effizientes Finden durch den Einsatz von benutzerrelevanten Daten.
Aber wie will man sich eine «unabhängige» Meinung bilden, wenn fast alle Informationen die man erhält schon auf einen zugeschnitten sind und sowieso dem eigenen Gusto entsprechen? Wie will ich mir eine weitere politische Meinung bilden, wenn mir nur die Vorzüge meiner bevorzugten Partei präsentiert werden? Und warum erhalte ich bei der Suche nach «Paris Hilton» Unmengen von Gossip wenn ich doch eigentlich ein Hotelzimmer in Frankreichs Hauptstadt suche?
Hier bietet Google eine gute Unterstützung. Mit «Good to know» bekommt man eine Anleitung, auf was man beim Spaziergang durchs Web achten sollte. Eine weitere Möglichkeit, seine persönlichen Daten zu sortieren ist das Google Dashboard.
Eine Frage aus dem Publikum, warum diese wichtigen Hinweise nicht direkt unter dem Suchfeld angebracht sind, sondern unten rechts – also ausserhalb des eigentlichen Blickfeldes – wurde mit dem Hinweis auf die weisse, übersichtlicht schlicht gehaltenen Seite entgegnet. Naja…
Ich fand es auch eher schade, dass ich den Link zu diesen überaus nützlichen und wichtigen Tipps auf der deutschen Seite www.google.de gefunden habe, auf www.google.ch jedoch nicht fündig wurde.
Noch nie habe ich so einer «optimistischen Schwarzseherin» zugehört. Denn Frau Meckels Sicht im realen Leben ist nicht so düster und schwarzmalerisch, wie es im Buch klingt. Sie sieht ihr Buch als «Angebot zum Weiterdenken».
Was mich zu meinem Fazit bringt: Wer sich informiert und nicht gedankenlos durch die digitale Welt läuft, findet auch den Weg wieder zurück. Mit einer vernünftigen Portion gesundem Menschenverstand gepaart mit den Vorteilen, bzw. den Möglichkeiten der digitalen Welt kann der Algorithmus nützliches Helferlein und nicht Herrscher über den freien Willen sein.